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20 | 05 | 2019
Gute Grundbildung, die allen zugänglich sein muss PDF Druckbutton anzeigen?
Dienstag, den 07. Mai 2019 um 12:57 Uhr
„Über eine Million Menschen weniger als im Jahr 2010, die nicht oder nicht richtig lesen und schreiben können, das ist zunächst eine gute Nachricht. 6,2 Millionen jedoch, die es nach wie vor nicht können, das ist keine gute Nachricht, und sie sind meist in prekären Beschäftigungsverhältnissen, womit sich der Teufelskreis für sie weiterdreht“, erklärt Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf die aktuellen Ergebnisse der LEO-Studie 2018. Birke Bull-Bischoff weiter:

„Im Bereich Weiterbildung müssen auch die Unternehmen viel mehr in die Pflicht genommen werden. Eine der wichtigsten Ursachen liegt aber in der Qualität der Schulbildung. Leider neigt unser Schulsystem generell dazu, alle Kinder und Jugendlichen über einen Kamm zu scheren. Wir müssen die Lehrkräfte darin unterstützen, individuelle Förderung von Schülern zu sichern. Fehlende Grundbildung und Analphabetismus sind auch im hochindustrialisierten Deutschland keine Randerscheinung, sondern ein Problem der gesellschaftlichen Mitte. Das Recht auf Bildung umfasst auch eine gute Grundbildung, die jedem zugänglich sein muss. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die öffentlich ausfinanziert werden muss. Darüber hinaus müssen Bund, Länder und Kommunen die allgemein bildenden Schulen unterstützen, ihrem Bildungsauftrag, gute Grundbildung zu vermitteln, nachzukommen. Jeder Schulabschluss muss sichern, dass Schüler eine gute Grundbildung haben. Selbstverständlich muss verbindlich vereinbart werden, dass Grundbildung flächendeckend gebührenfrei und für jeden zugänglich ist. Institutionen, wie etwa der Deutsche Volkshochschul-Verband e. V. oder der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. und deren wirkungsträchtige Projekte müssen ausreichend finanziell durch öffentliche Mittel unterstützt werden, so dass sie nicht nur auf Sponsoren und Spenden angewiesen sind und somit Planungssicherheit gewinnen.

Es hilft allerdings nicht viel, immer wieder an den Symptomen herumzudoktern und im Wesentlichen auf Öffentlichkeitsarbeit zu setzen. Man muss vielmehr über die Ursachen fehlender Grundbildung nachdenken. Es gibt viel zu wenige dauerhaft finanzierte Angebote, die auch auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Viel mehr Forschung ist erforderlich. Es ist längst überfällig, nach den vielen Exzellenzprogrammen ein Forschungsprogramm zu den Ursachen fehlender Grundbildung aufzulegen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Strategien zur Bekämpfung des Analphabetismus und für eine bessere Grundbildung über alle Lebensalter und Lebensbereiche hinweg zu entwickeln.

Überdies hat es einen bitteren Beigeschmack, wenn 180 Millionen Euro für die Alphabetisierungsdekade ausgegeben werden, während für den Digitalpakt mal eben in fünf Jahren fünf Milliarden Euro lockergemacht werden. Daran ist sehr deutlich zu erkennen, dass Themen wie Alphabetisierung im politischen Raum eher ein Schattendasein führen.“