Startseite In der Presse 15.01.2019 In Sachen Bahn bleibt der Druck
20 | 08 | 2019
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Wandlitz (MOZ) Nach der Unterschrift unter die Planungsvereinbarung zur Reaktivierung der Bahn-Stammstrecke zwischen Schönwalde und Wilhelmsruh reagieren Politiker der Region mit großen Erwartungen. „Ich gewinne wieder Vertrauen in die Politik“, sagt beispielsweise Dietmar Seefeldt (SPD).

Der 63-jährige Klosterfelder ist Vorsitzender des Vereins Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Region Heidekrautbahn“ (KAG) und setzt sich seit Jahrzehnten für die Reaktivierung der 14 Kilometer langen Stammstrecke zwischen Schönwalde und Berlin-Wilhelmsruh ein. Viel wurde in diesen langen Jahren von der Politik versprochen, tatsächlich kamen die Verkehrsexperten aber nie zum Schwur. Nunmehr schöpft Seefeldt wieder Hoffnung, ohne gleich euphorisch zu werden. „Nach 20 Jahren politischem Druck und 15 Jahren KAG-Arbeit haben wir das Ziel wirklich dicht vor Augen. Mit der unterschriebenen Planungsvereinbarung gewinne ich mein Vertrauen in die Politik zurück“, beschreibt Seefeldt. Bis zum Jahresende, schätzen Experten, liege die genehmigungsfähige Planung für das Teilstück vor. Auch sollten sich dann die Landespolitiker aus Berlin und Brandenburg über das Finanzierungskonzept einig sein. 20 Millionen Euro sind für den Streckenausbau vorgesehen. Für Britta Müller, SPD-Landtagsabgeordnete, gleichen die letzten Monate sogar einem Sprint. „Das es am Ende so zügig ging, liegt wohl auch daran, dass hier viele Köche den Brei gerührt und nicht verdorben haben“, ist sie sich sicher und lobt den Einsatz aller, die sich dafür eingesetzt haben. Das Lob geht sogar an die politischen Mitbewerber wie Margitta Mächtig (Linke) und Uwe Liebehenschel (CDU).

Zur vorzeitigen Zufriedenheit dürfen allein die Unterschrift der Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos), ihrer Brandenburger Amtskollegin Kathrin Schneider (SPD) und Detlef Bröcker, Vorstand der Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB), wohl kaum führen. Zwar soll nun ab Ende Dezember 2023 die NEB die Trasse bedienen und an acht Bahnhöfen Reisende aufnehmen. Doch die Forderungen aus der Region sind damit noch lange nicht abgearbeitet. So verständigte sich erst am Wochenende wieder die Barnimer SPD auf konkrete Forderungen für den Wandlitzer Raum. Dazu gehört unbedingt der 30-Minuten-Takt nach Klosterfelde.

Für Seefeldt müsste der Blick sogar noch weiter gehen. „Alle reden ja im Augenblick davon, die Pendler zu überzeugen, statt des Autos die Bahn zu benutzen. Dann muss der 30 Minuten-Takt aber auch bis nach Groß Schönebeck in der Schorfheide gelten.“ Für Seefeldt fehlen zur gewünschten Taktverbesserung wichtige Vereinbarungen, Planungen und finanzielle Zusagen. Zumal beim Ziel, die Strecke bis nach Groß Schönebeck halbstündig zu bedienen, wichtige Kreuzungspunkte beziehungsweise Parallelstrecken errichtet werden müssten. Daran erinnert bespielsweise der Basdorfer Ortsvorsteher Peter Liebehenschel, er fordert zwischen Basdorf und Wandlitz ein Parallelgleis, um den Begegnungsverkehr zu ermöglichen.

Für die Verkehrspolitiker der Region steht längst fest, im Selbstlauf werde angesichts der vielen Begehrlichkeiten im bahngebundenen Verkehr gar nichts passieren. „Wir müssen alle dranbleiben“, so Seefeldt. Gefordert sind aber auch Kommunen wie Wandlitz oder Mühlenbecker Land. Wenn nämlich die Stammstrecke befahren wird, fehlen mit Sicherheit Pkw-Parkplätze.