Startseite In der Presse 01.05.2018 Kämpferische Ansprache vor überschaubarem Publikum
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Tag der Arbeit

Sven Klamann / 02.05.2018, 22:19 Uhr - Aktualisiert 02.05.2018, 22:19
Eberswalde (MOZ) Nur vereinzelt flatterten Transparente im Wind, als der Deutsche Gewerkschaftsbund am Tag der Arbeit seine Maikundgebung abhielt. Nicht einmal 100?Eberswalder waren auf dem Marktplatz erschienen. Sie bekamen eine kämpferische Rede und viel Begleitprogramm geboten.

Drei Jahre in Folge hatte es jeweils am 1.?Mai Demonstrationszüge durch die Barnimer Kreisstadt gegeben. 2015, da war Ankündigung der Bahn AG, ihr Werk in Eberswalde stillzulegen, erst ein paar Monate alt, hatten sich mehr als 500?Protestierende auf der Straße getroffen. 2017, als das Aus für die Tramper Niederlassung des Windkraftanlagenbauers Senvion bereits bereits entschieden war, hatten sich nur noch knapp 120 Kampfentschlossene zum gemeinsamen Marschieren eingefunden. Diesmal war von vorn herein auf einen Demonstrationszug verzichtet worden. „Wenn zu wenig Leute mitmachen, wirkt dies zu schnell lächerlich“, sagte Ralf Kaiser, der dem knapp 13?000?Mitglieder zählenden Barnimer Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes vorsteht, am Rande der Kundgebung, die mit Auftritten einer Schülerbigband und einer Tanzgruppe, Segway-Station und Kindermalwettbewerb durchaus Volksfest-Charakter hatte. Überdies gab es Stände der Linken, der DKP und von Einzelgewerkschaften. Zu den Teilnehmern auf dem Marktplatz gehörten der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke und die Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig (Linke), Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) und Daniel Kurth (SPD), zugleich gemeinsamer Kandidat von SPD und Linker für die Stichwahl um das Amt des Barnimer Landrates, die am Sonntag steigt.

Die Kundgebung in Eberswalde stand unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“. Als Hauptredner sprach Roland Tremper.stellvertretender Landesbezirksleiter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Berlin-Brandenburg, auf dem nur spärlich gefüllten Marktplatz. Der Verdi-Funktionär verwies in seiner Rede auf die noch bis Ende Mai laufenden Betriebsratswahlen. Die Wahlbeteiligung werde wohl höher ausfallen als bei der Bundestagswahl. „Auch das zeigt: In den Betrieben wird Demokratie gelebt“, sagte Roland Tremper. Leider hätten erstmals rechte Gruppen versucht, für die Betriebsratswahlen zu mobilisieren. „Einen massenhaften Rechtsruck gab es zwar nicht. Nur einige wenige dieser Leute wurden gewählt. Und doch ist jeder rechte Betriebsrat einer zu viel“, hob der Hauptredner der Kundgebung hervor.

Auch die neue Bundesregierung war Thema. Merkel und Co. hätten sich daran messen zu lassen, wie sie mit Arbeitnehmern, Rentnern und Erwerbslosen umgehen würden. Die Regelsätze für Hartz IV würden unter der Armutsgrenze liegen. „Hartz?IV ist Armut, Hartz?IV ist Schikane und Hartz?IV drückt die Löhne, weil es erpressbar macht“, rief Roland Tremper aus.

Die wenigen Zuhörer sparten nicht mit Beifall. „Ich bin hier, weil dies am 1.?Mai für mich Tradition ist“, sagte Monika Treuter aus Eberswalde. Als Kind habe bei den Kundgebungen zum Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse so manches Mal in der dünnen Pionier-Bluse gefroren. „Heute bin ich Rentnerin. Und genieße die vielen Kulturangebote, die es in dieser Stadt gibt“, schwärmte sie.

Der Zufall hatte Gisela und Klaus Heimbucher aus Eberswalde auf den Marktplatz geführt. „Wir haben bei der Bank Geld geholt und waren erstaunt, was hier los ist“, sagte der Rentner, der mit seiner Frau auf den Auftritt der Bigband und der Tänzerinnen wartete.

Für Hans-Jürgen Bull aus Eberswalde war das Volksfest-Ambiente am Tag der Arbeit eindeutig zu unpolitisch. „Ich hätte mir mehr Präsenz von wichtigen Vertretern der sogenannten Volksparteien CDU und SPD gewünscht“, sagte er. Bedauerlicherweise herrsche nur noch dort Massenandrang, wo Geschenke verteilt würden.