Startseite Aus meinem Tagebuch 8-12-2016 Auch so ist das Leben
20 | 05 | 2019
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Ich saß in einer Aufsichtsratssitzung unseres kommunalen Gesundheitsunternehmens GLG in Eberswalde und erhielt eine kurze WhatsApp Nachricht: „ Hi Mom! Ich habe den Entschluss gefasst, jetzt der LINKEN beizutreten…“. „Oh Gott denke ich, was ist passiert?“ und fragte ihn. Er antwortete und schrieb u.a. „Dramatische Umstände erfordern dramatische Maßnahmen. “ Was aber hat sich in seinem Leben so

dramatisch geändert, dass er diese "drastische Maßnahme" für erforderlich hält?, denke ich und kann mich einen Augenblick nur gering auf den Vortrag der Geschäftsführung konzentrieren. Aber Gott sei Dank sind wir gerade bei dem Tagesordnungspunkt, den ich zu Hause bereits lesen konnte und der nun erläutert wird.
Was soll ich ihm sagen? Dass ich mich freue? Dass ich mich sorge? Dass ich stolz auf ihn bin? Dass ich Angst um ihn habe?

Ja, ich freue mich, weil ich weiß, dass er diese Entscheidung nicht leichtfertig fällt. Weil ich um sein Hadern auch mit manchen Positionen und Personen der LINKEN weiß. Und er sich in einer Zeit, in der er „Farbe bekennen“ für wichtig hält, dies auch tut.

Ja, ich sorge mich auch. Es ist nicht leicht in Parteien aktiv zu werden, mit gewachsenen und liebgewonnenen Strukturen und Ritualen. Und es braucht Rückgrat, um sich zu einer bundesweit 10 Prozentpartei zu bekennen.

Und Ja, ich bin stolz auf ihn!!! Stolz weil er seinen eigenen Weg geht, mit eigener Meinung, eigenen Überzeugungen und in seiner ihm eigenen Art. Bei aller Verschiedenheit die uns ausmacht ist es immer wieder interessant mit ihm zu diskutieren, ja auch zu streiten. Und stolz auch, weil er weiß, dass Streit eine Kultur braucht, die es den Streitenden ermöglicht, im Streit zu lernen, wenn man es denn will.  Stolz auch, weil ihm das Wohl seiner Familie genauso wichtig ist, wie das Wohl seiner Kollegen und er sich auch deshalb in der Gewerkschaft engagiert.

Und Ja, ich habe auch Angst um ihn. Ich musste in den Zeit, als sich die DDR per Beschluss der BRD anschloss, selbst erleben, wie gewaltbereit politische Gegner sein können und auch vor einigen Jahren wurde es noch mal hart. Und auch ihm haben sie (wie mir schon 1991) die Reifen zerstochen, nicht zufällig, nicht aus Lust an Zerstörung, sondern auf dem Hof seiner Wohnung, also mit dem Ziel IHN zu treffen. Wir wissen es alle, es ist wegen seines klaren und öffentlichen Bekenntnisses, dass Menschen in Not ein Recht haben, hier Schutz und Hilfe zu erhalten.

Aber er hat sich entschieden, und nun sind wir nicht nur eine Familie sondern werden auch Genossen sein.
Es ist ein unglaubliches Glücksgefühl – trotz alledem!
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Dezember 2016 um 09:06 Uhr