Startseite In der Presse 05.12.2015 Griff nach dem Rettungsdienst
28 | 07 | 2017
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Bernau/Eberswalde (MOZ) Der Kreis liebäugelt damit, die Rettungsdienst Landkreis Barnim GmbH in seinen Klinikkonzern "Gesellschaft für Gesundheit und Leben" (GLG) einzugliedern. In Bernau wird das Vorhaben skeptisch beäugt.
Prüfaufträge sind im Barnim in Mode gekommen. Nach der Machbarkeitsstudie zur Gründung von Kreisenergiewerken geht die Große Koalition aus SPD, Linken und CDU das nächste Projekt an: den Zusammenschluss von GLG und Rettungsdienst GmbH.

Den Antrag zur "Optimierung" der beiden kommunalen Unternehmen haben die Linken eingebracht. Der Landrat soll überprüfen, welche Möglichkeiten es gibt, die Rettungsdienst GmbH mit Wirkung zum 1. Januar 2017 als selbstständiges Tochterunternehmen in die GLG einzugliedern "und so alle kreislichen Aufgaben der Gesundheitsvor- und -fürsorge in einer Gesellschaft zu konzentrieren", fordern sie. Vize-Fraktionsvorsitzende Margitta Mächtig, langjähriges Mitglied im Aufsichtsrat der GLG, ist überzeugt davon, dass eine solche "Straffung" der Organisation kommunaler Unternehmen im Landkreis "sinnvoll" ist. Außerdem hätten die Linken mit Vertretern des Krankenhauses in Bernau und der GLG ihre Überlegungen vorgestellt und Meinungen erfragt. "Beide Unternehmen stehen dem Vorschlag offen gegenüber", behauptet die Biesenthalerin.

Doch daran haben mehrere Kreistagsabgeordnete erhebliche Zweifel. Wann sie denn mit der Geschäftsführung des Bernauer Krankenhauses gesprochen habe, will Sven Schilling (BVB/Freie Wähler) von ihr wissen. "In diesem Jahr" antwortet die Linke. "Das wundert mich sehr", gibt Schilling zurück. "Ich habe vor zwei Tagen nachgefragt und mir wurde genau das Gegenteil zur Kenntnis gegeben. Die Krankenhausleitung steht diesen Plänen ganz und gar nicht "offen' gegenüber", betont der Bernauer.

Auch sein Fraktionskollege Péter Vida wundert sich: "Im Aufsichtsrat der Rettungsdienst GmbH war eine solche Eingliederung noch nicht einmal Thema", stellt er fest. Und dabei sei ein solcher Zusammenschluss eine weitreichende strukturelle Veränderung. "Ohne fundierte Willensbekundung der Geschäftsleitung ist ein solcher Vorstoß viel zu früh."

Landrat Bodo Ihrke (SPD) springt der Linken Mächtig zur Seite. Bereits vor sechs Jahren habe es die Überlegungen gegeben, den Rettungsdienst in die GLG einzuordnen, erinnert er. "Der Prozess wurde damals nur nicht weitergeführt, um zu sehen, wie die Strukturen funktionieren", sagt der Verwaltungschef nebulös. Gemeint sind offenbar die finanziellen Schwierigkeiten, in denen der Klinikkonzern GLG steckte. Nun, "nach der Konsolidierungsphase der GLG im Jahre 2016", könne man den Prozess wieder aufnehmen, findet Margitta Mächtig. Im Übrigen sollten sich die Kritiker etwas zurückhalten. "Sie können doch nicht den Prüfauftrag an den Landrat infrage stellen!", ist sie von Vidas Einschätzung, dass "auf dieser Grundlage" eine Entscheidung "nicht reif" sei, genervt.

Am Ende steht die Große Koalition zusammen und winkt den Linke-Antrag durch. Im Niederbarnim sehen einige auf den Gesundheitsstandort Bernau Ungemach zukommen. Den Rettungsdienst in die GLG einzuordnen, könne zur Folge haben, dass Patienten vermehrt in Einrichtungen des Eberswalder Klinikkonzerns gebracht würden, heißt es aus Medizinerkreisen. Das gehe zu Lasten des Immanuel Klinikum Bernau.