Startseite Archiv 2008 - 2009
20 | 07 | 2019
Neue Forschungsergebnisse zum Brandenburglied belegen Nähe zum Nationalsozialismus PDF Druckbutton anzeigen?
Der Streit um die Vergangenheit der inoffiziellen brandenburgischen Landeshymne, dem Lied von der „Märkischen Heide“, ist neu aufgeflammt und hat neue Nahrung erhalten. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war es eine der wichtigsten Erkennungsmelodien für jene rechtsextremen, antisemitischen Kreise, die dann ab 1933 ganz Europa mit ihren Verbrechen beherrschten. Dies jedenfalls ist das Ergebnis neuerer Forschungen zu dem Lied und seinem Verfasser, dem Berliner Komponisten Gustav Büchsenschütz. So entstand das Lied 1923 nicht etwa im Zusammenhang mit der eher unpolitischen „Wandervogel-Bewegung“, wie auch von Büchsenschütz (1902-1996) noch kurz vor seinem Tode behauptet. Büchsenschütz war vielmehr Mitglied im Bismarckorden, einer Jugend-Kampfformation der Demokratiegegner, die von dem fanatischen Antisemiten Wilhelm Kube geleitet wurde. Kube wiederum, zunächst Nazi-Gauleiter und Oberpräsident von Brandenburg, war als Oberkommissar für Weißrussland ab 1941 verantwortlich für die Ermordung Hunderttausender und 1943 Opfer einer erfolgreichen Partisanenaktion. Das Lied wurde insbesondere bei Uniform- und Versammlungsverboten von den Nazis als eine art Kampfmelodie eingesetzt, mit der sich die Feinde der Republik wechselseitig zu erkennen gaben und mobilisierten. Deswegen auch erlangte es auch in der Reichshauptstadt Berlin bei den Nazis große Beliebtheit und findet sich in allen einschlägigen Liedverzeichnissen auch beispielsweise der SS, aber auch der Wehrmacht. Nach dem Krieg taucht es dann gelegentlich in Liedbüchern der Bundeswehr auf, bevor es vom früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) zu einer Art Landeshymne erklärt wurde. Als im vergangenen Jahr zum ersten Mal Hinweise auf die eng mit dem Entstehen des Nationalsozialismus verbundene Vorgeschichte bekannt wurden, forderte DIE LINKE, in Zukunft bei protokollarischen Anlässen auf das Lied zu verzichten. Die Landesregierung lehnte die Forderung ab. Das Brandenburglied wird nach wie vor auch bei offiziellen und inoffiziellen Anlässen und auf märkischen Volksfesten gern und laut geschmettert